Weekender 2020

Im Jahr zwischen den großen Festivals haben wir Ihnen wieder eine Auswahl spannender Menschenrechtsfilme zusammengestellt, um die Wartezeit ein wenig zu verkürzen.

Zu den Vorstellungen erwarten wir spannende Gäste. Alle Details finden Sie unten oder in unserem Programmflyer, den Sie hier als PDF herunterladen können.

Bitte beachten Sie, dass Corona-bedingt in diesem Jahr weniger Sitzplätze in unseren Kinos zur Verfügung stehen als gewohnt. Bitte kaufen Sie Ihre Eintrittskarten wenn möglich hier online. Damit Sie unsere Vorstellungen sicher besuchen können, hat das Filmhaus Nürnberg umfassende Hygienemaßnahmen ergriffen. Alle Informationen hierzu finden Sie auf unserer Service-Seite.

ADAM

MA/F 2019, 98 Min., DCP, FSK: k.A., arab. OmU, Regie: Maryam Touzani, mit: Lubna Azabal, Douae Belkhaouda, Nisrin Erradi u. a.

Es ist nicht die erste Tür, an die Samia klopft. Und auch Abla will die schwangere junge Frau wegschicken, die aus heiterem Himmel auftaucht und um Hilfe bittet. Doch Ablas achtjährige Tochter Warda hat andere Vorstellungen, und so nimmt sie schließlich nach langem Hadern die verlorene Seele für ein paar Nächte bei sich auf.
Dieses bescheidene, einfühlsame Regiedebüt zeigt, wie sehr das Leben dieser beiden Frauen von der patriarchalischen Gesellschaft Marokkos geprägt ist. Samia, unverheiratet und schwanger, läuft vor irgendetwas auf den Straßen von Casablanca davon. Für Abla, verwitwet und alleinerziehend, sind ihr kleines Haus und die Bäckerei, die sie betreibt, eine Festung, die sie vor der Außenwelt schützt.
Die Frauen, subtil gespielt von Loubna Azabal und Nisrin Erradi, nähern sich allmählich einander an und wir erfahren schrittweise, wie sie zu dem wurden, was sie sind – ein wenig wie die Zutaten für Ablas Brot, die ihre Geheimnisse nur dann preisgeben, wenn sie mit Geschick und Liebe zusammen geknetet werden.

Donnerstag, 1.10.20, 16.30 Uhr, kommkino
Freitag, 2.10.20, 19.00 Uhr, kommkino


BECOMING BLACK

D 2019, 91 Min., DCP, FSK: k. A., Regie: Ines Johnson-Spain

Ihre Eltern und ihr Bruder sind weiß, aber Ihre Hautfarbe ist dunkel. Man sagt ihnen, das sei reiner Zufall. So erging es einem Mädchen in Ost-Berlin in den 1960er Jahren. In einem ostdeutschen Dorf verliebt sich Sigrid in den togolesischen Student Lucien und wird schwanger, doch sie ist bereits mit Armin verheiratet.
Das Kind ist die Filmemacherin Ines Johnson-Spain. Zuhause wird ihr gespiegelt, dass alles in Ordnung sei und es nichts zu diskutieren gäbe, doch draußen ist sie oft mit rassistischen Anfeindungen konfrontiert. In dieser intimen und zugleich kritischen Spurensuche verbindet sie diese verwirrenden und schmerzhaften Kindheitserinnerungen mit nüchternen Berichten, die von einer Kultur der Ablehnung, des Schweigens und der Verleugnung erzählen. Und sie geht nach Togo, um ihre dortige Familie zu besuchen.
BECOMING BLACK ist eine sehr persönliche Reflexion über Themen wie Identität, soziale Normen und Familienbande und rückt eine dezidiert afrodeutsche Perspektive in den Mittelpunkt.

Donnerstag, 1.10.20, 18.30 Uhr, kommkino, zu Gast: Ines Johnson-Spain
Freitag, 2.10.20, 17.00 Uhr, kommkino


DOCH DAS BÖSE GIBT ES NICHT

Sheytan vojud nadarad D/CZ/IR 2020, 150 Min., DCP, farsi. OmU, FSK: ab 12, Regie: Mohammad Rasoulof, mit: Ehsan Mirhosseini, Kaveh Ahangar, Mohammad Valizadegan

Heshmat, ein vorbildlicher Ehemann und Vater, bricht jeden Morgen sehr früh zur Arbeit auf. Wohin fährt er? Pouya kann sich nicht vorstellen, einen anderen Menschen zu töten, trotzdem bekommt er den Befehl. Kann es einen Ausweg für ihn geben? Javad besucht seine Freundin Nana zum Geburtstag um ihr einen Heiratsantrag zu machen. Doch dieser Tag hält für Nana noch eine andere Überraschung bereit. Bahram ist Arzt, darf aber nicht praktizieren. Als ihn seine Nichte Darya aus Deutschland besucht, beschließt er, ihr den Grund für sein Außenseiterdasein zu offenbaren.
Mohammad Rasoulof, NIHRFF-Ehrengast 2015, erzählt in DOCH DAS BÖSE GIBT ES NICHT vier Geschichten über Menschen, deren Leben in der einen oder anderen Weise mit der Todesstrafe in Verbindung steht. Sie fragen danach, bis zu welchem Grad moralische Integrität unter einem despotischen Regime möglich ist – und zu welchem Preis es gelingen kann, in solchen Situationen die individuelle Freiheit zu bewahren. Gewinner des Goldenen Bär als bester Film der Berlinale 2020.

Samstag, 3.10.20, 18.00 Uhr, kommkino
Sonntag, 4.10.20, 20.30 Uhr, kommkino


ZUSTAND UND GELÄNDE

D 2019, 118 Min., DCP, DF, FSK: k.A., Regie: Ute Adamczewski

Ute Adamczewskis Dokumentarfilm erzählt die Geschichte einer Eskalation.

Ausgangspunkt des Films sind sogenannte wilde Konzentrationslager, die unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtergreifung ab März 1933 zur Ausschaltung politischer Gegner*innen eingerichtet wurden und heute weitgehend in Vergessenheit geraten sind. ZUSTAND UND GELÄNDE handelt von den Überschreibungen der Orte durch die Zeit und davon, wie sich unterschiedliche politische Erinnerungskulturen in sie eingeschrieben haben. Der Film verknüpft drei aufeinanderfolgende Zeiträume der deutschen Geschichte zu einem losen Narrativ, in dem Gewalt zur Durchsetzung von Macht eine wesentliche Rolle spielt.
So erzählt ZUSTAND UND GELÄNDE nicht nur von Orten, die im Nationalsozialismus gleich zu Beginn Teil einer netzartigen faschistischen Infrastruktur wurden, sondern die später – nach dem Zweiten Weltkrieg, nach dem Ende der DDR, in der gesamtdeutschen Gegenwart des NSU – umkämpfte Räume einer Deutungshoheit von Geschichte und Legitimation politischer Linien wurden.

So, 4.10.20, 17.30 Uhr, , kommkino, zu Gast: Regisseurin Ute Adamczewski und Kameramann Stefan Neuberger