Programm 2021

Programm nach Sektionen:

Hier finden Sie bald Videobeschreibungen in Gebärdensprache für Gehörlose zu einigen Filmen aus dem Programm.

Preisträger:innen

Der Internationaler Nürnberger Filmpreis der Menschenrechte geht an This Is Not a Burrial, It’s a Resurrection von Lemohang Jeremiah Mosese.

In beeindruckenden Bildern, verstörenden Klängen und poetischen Worten nähert sich der Film einer Umgebung die uns Fremd und doch so nah erscheint.
Er nimmt uns mit auf die Reise einer Frau, die vom Leben gebeutelt mit einer ehrfürchtigen Güte versucht ihren verstorbenen Liebsten wieder nah zu sein.

This Is Not a Burial, It’s a Resurrection – von Lemohang Jeremiah Mosese ist ein episches Meisterwerk, mit dem er nicht nur sich, sondern der gesamten Community von Lesotho, ein Denkmal setzt.

Sein Debüt ist poetisch, aber auch bildstark, traumhaft bis verträumt, und doch so grausam hautnah, konkret und präzise. Eine fiktive Geschichte aus der scheinbar fernen Welt, die jedoch mehr über unsere Gesellschaft aussagt, als uns lieb wäre: Eine Geschichte über die Macht des Kapitalismus, über Missbrauch und Missachtung von Menschen und Natur. Aber auch eine ermutigende Geschichte über Zusammenhalt, Selbstbehauptung und die Macht der scheinbar Machtlosesten der Welt: Einer alten, schwarzen Frau, die mit ihrem Leben eigentlich schon abgeschlossen hat.
Seine großartige Hauptdarstellerin Mary Twala Mhlongo brilliert in ihrem reduziertem Spiel und ihrer stoischen Art und zeigt, was es bedeutet, für den Kampf zu leben, auch wenn sie für ihre Sache am liebsten sterben würde. Sie entfacht in sich einen neuen Lebenswillen und somit auch den Kollektiven Geist des Widerstands ihrer Dorfgemeinde.
„Viele sahen den Tod, nur die Tochter von niemanden, Sah eine Auferstehung. Nicht die der Toten, sondern der Lebenden.“

Ein poetisches Kunstwerk was unbedingt angeschaut werden muss. Eine traumhafte Komposition aus Bildern, Tönen und Poesie: Das ist Kino.

Hamze Bytyci, Anne Kodura, Brigid O’Shea


Der mit 1.000 Euro dotierte Publikumspreis des Festivals geht an den Dokumentarfilm Herr Bachmann und seine Klasse der Regisseurin Maria Speth.

Der ebenfalls mit 1.000 Euro dotierte Preis der Open Eyes-Jugendjury geht an den Film Wem gehört mein Dorf? von Christoph Eder.

Im Rahmen eines Projektseminars unserer Schule haben wir die Möglichkeit bekommen, uns in dem letzten Jahr intensiv mit dem Thema Menschenrechte auseinanderzusetzen und ein ganz persönliches Verständnis davon aufzubauen. Darüber hinaus haben wir uns damit auseinandergesetzt, was einen Film überhaupt ausmacht – was Filme auf technischer, filmischer und inhaltlicher Ebene so besonders machen.

Wir haben viel gelernt und hätten das Gelernte kaum besser konkretisiert erleben können als mit den sechs Filmen des diesjährigen Jugendprogramms.

Innerhalb von drei Tagen durften wir eine facettenreiche Auswahl an Filmen erleben, was die Entscheidung nicht unbedingt leicht gemacht hat. Jeder dieser Filme, in seiner Einzigartigkeit, wäre einer Ehrung würdig.

Für wenige Stunden haben wir den uns fremdartig erscheinenden Alltag von Kindern in Kabul und mexikanischen Migrantenfamilien miterleben können, haben die Einwohner des Roya-Tals bewundert, die an der französisch-italienischen Grenze Moral über Gesetz stellen um Flüchtlinge zu helfen, haben die Grundzüge der Demokratie am Beispiel eines  norddeutschen Dorfes kennenlernen können, waren erstaunt wie selbst Finanzexperten bei grundlegenden Fragen zu unserem Wirtschaftssystem ins stottern kamen und haben Geschichten von verschiedenen Transsexuellen gehört, von Herausforderungen, aber auch Normalität in ihren Leben.

 Nun kam der knifflige Teil. Wir müssten uns für einen der Filme entscheiden, den wir auszeichnen möchten. Dies ist, wie Sie sich vorstellen können, nicht einfach gewesen. Doch nach langer Diskussion waren wir uns einig. Und somit möchte ich Ihnen den Preisträgerfilm  vorstellen.

Der Film „Wem gehört mein Dorf“ erzählt von einem Ort, Göhren in Norddeutschland, seiner Geschichte und all den Veränderungen, die sich dort seit der Wende abgespielt haben – sowie den Einwohnern, die mit einigen eben dieser Veränderungen Probleme haben und sich endlich entschieden Initiative zu ergreifen.

Die Geschichte, die Christoph Eder von seinem Heimatort erzählt, berichtet von zutiefst lokaler Politik, veranschaulicht aber gleichzeitig die grundlegenden Funktionsweisen von Demokratie im Großen. Der Film war ein erstaunlich spannendes Erlebnis, zum Ende haben wir regelrecht mitgefiebert, ob die alt eingesessen Politiker, genannt „Die Vier von der Stange“ nach 25 Jahren tatsächlich im Gemeinderat abgelöst werden.

Nach dem Film war man plötzlich motiviert zum Engagement, Demokratie geht nicht ohne Mitarbeit das wurde uns allen klar.

Und auch Menschenrechte: Sie bringen nicht viel, wenn wir sie nicht nutzen.

Wie einst John Lewis sagte über Wahrheit, Gerechtigkeit und Gleichheit:

„Wenn du etwas beobachtest, das nicht richtig, nicht fair oder nicht gerecht ist, musst du dich äußern. Du musst etwas sagen, und du musst etwas tun.“

Und somit freuen wir uns den diesjährigen Open Eyes Preis heute an Chistoph Eder und seiner Dokumentation „Wem Gehört mein Dorf“ zu verleihen

Unsere Open Eyes-Jugendjury waren 2021 Hannah-Lucia A Campo, Leonhard Grillmeyer, Johanna Jantsch, Mia Kappler und Clara Steinfels. Das Preisgeld wurde von STABILO International gestiftet.

Internationale Jury

Hamze Bytici

Hamze Bytyçi, geboren in Prizren, Kosovo, ist Medien- und Theaterpädagoge, Regisseur und Performer. Er hat sich 2012 an der Gründung der International Romani Film Commission zur Förderung von Filmschaffenden mit Roma-Identität beteiligt. 2017 hat er das Roma-Filmfestival AKE DIKHEA? ins Leben gerufen, das seitdem unter seiner Leitung alljährlich in Berlin stattfindet. Er ist Regisseur von mehreren Dokumentar- und animierten Kurzfilmen (JOŽKA, 2017, …DIE BRINGEN NUR DIE VERBRECHER WEG, 2019, MEMORY BOXES, 2019). Er ist Vorsitzender von RomaTrial e.V., der in den Bereichen Kunst und Kultur, Jugend und Bildung (u.a. Filmsommerschule Balkan Onions) sowie Politik und Aktivismus aktiv ist.

Foto © Jennifer Tuffour

Anne Kodura

Geboren 1987 in Halle (Saale). Medienkunststudium an der Kunstakademie München. Erste Erfahrungen im Inszenieren von Theater, Kurz- und Experimentalfilmen.
Ihr erster abendfüllender Dokumentarfilm ÖDLAND – DAMIT KEINER DAS SO MITBEMERKT feierte auf der Berlinale (Generation) Premiere, lief danach auf zahlreichen Festivals und gewann unter anderem bei der 8. Ausgabe des Nürnberger Filmfestivals der Menschenrechte den Preis der Open Eyes-Jugendjury.
Des Weiteren war sie Jurymitglied der Internationalen Jury der Generation der 66. Berlinale und war in den letzten Jahren zweifach als Berlinale Talent vertreten, zuletzt in der Script Station mit ihrem Spielfilmdrehbuch ALMA.

Brigid O’Shea

Brigid O’Shea lebt und arbeitet seit 2005 in Deutschland und Europa. Sie begann ihre Karriere bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin, wo sie für verschiedene Abteilungen wie Berlinale Talents, Berlinale Co-Production Market und den EFM arbeitete. Ab 2010 war sie Koordinatorin des DOK-Industrieprogramms und wurde Ende 2014 zur Leiterin von DOK Industry ernannt. Sie verließ diesen Posten 2021, um die Documentary Association of Europe zu gründen, um eine neue Generation von Fachleuten heranzubilden und sich auf paneuropäischer Ebene für Dokumentarfilmemacher:innen einzusetzen. Zuvor war sie als freie Mitarbeiterin für zahlreiche Dokumentarfilminstitute in Europa und für Produktionsfirmen tätig. Sie ist weltweit als Dozentin für internationale Kofinanzierung und Pitching sowie für Festivalstrategien und Kulturmanagement tätig. Als international anerkannte Beraterin mit einem breiten und vielfältigen Netzwerk moderiert und kuratiert sie Diskussionen und Programme zum Thema Non-Fiction-Filmemachen. Derzeit ist sie Mitglied des Beirats von B2B Doc und DMZ Docs.

Foto © Susann Jehnichen