Souleymanes Geschichte
L’histoire de Souleymane
LAND: Frankreich JAHR: 2024 LÄNGE: 92 min
REGIE: Boris Lojkine
SPRACHE(N): Französisch, Fulani, Maninka
UNTERTITEL: Deutsch
MIT: Abou Sangaré, Nina Meurisse, Alpha Oumar Sow, u.a.
FSK: ab 12 EMPFOHLEN AB: 9. Klasse
PRODUZENT*IN: Bruno Nahon
DREHBUCH: Boris Lojkine, Delphine Agut
SCHNITT: Xavier Sirven
KAMERA: Tristan Galand
Filmgespräch

mit Regisseur Boris Lojkine (online)
Mittwoch, 14.10. um 11:00 Uhr
Freitag, 16.10. um 11:00 Uhr
Inhalt
GEWINNER DES OPEN-EYES-JUGENDJURY PREISES 2025
Souleymane ist aus Guinea geflüchtet und versucht in Frankreich, einen Asylantrag zu stellen. Da er keinen Pass hat, braucht er dringend Geld, um an Papiere zu kommen. Dafür schlägt er sich als Essenslieferant über die Runden – unter haarsträubenden Bedingungen. Es bleiben ihm nur noch 48 Stunden bis zum Termin beim Migrationsamt. Bis dahin muss er neben all dem Stress auch noch eine plausible Geschichte parat haben, die seine Fluchtgründe belegt. SOULEYMANES GESCHICHTE ist ein hochspannender Thriller über den Teufelskreis von Migration und Ausbeutung, über Machtverhältnisse und gnadenlose Asylverfahren. Der Regisseur Boris Lojkine bleibt immer dicht an seiner Hauptfigur, was dem Film eine packende Dynamik und fast schon dokumentarische Züge verleiht.
„Gerade heute, in einer Zeit, in der Migrationspolitik oft lauter ist als Menschlichkeit, erinnert uns dieser Film daran, was die Existenz eines Jeden wirklich ausmacht: das Recht, gesehen zu werden, gehört zu wer den und leben zu dürfen – mit Würde. Boris Lojkine schafft es, diese Realität nicht zu erklären, sondern spürbar zu machen.“ Open Eyes-Jugendjury
komplette Jurybegründung
Wir haben in den letzten Wochen alle Filme der Kategorie Open Eyes gesichtet, in welchen es unteranderem um Familie, Identität, Rassismus, Migration und Gewalt ging. Wir haben viel und lange diskutiert, gegrübelt, überdacht und analysiert. Das konnten wir aber nur, weil jeder Film besonders war, einen Eindruck hinterlassen hat, oft auch Gefühle hervorgerufen hat. Wir danken allen Filmschaffenden dafür. Ein Film ist uns aber dennoch am meisten im Gedächtnis geblieben.
„Der Film lässt uns auf außergewöhnliche Weise in eine Realität eintauchen, für die sich das Kino kaum interessiert. Er verleiht seinen Figuren die Würde und Menschlichkeit, die ihnen der tägliche Medienfluss und die Politik absprechen.“
– ein Zitat von Trigon Film
In diesen Worten steckt die ganze Kraft von Souleymanes Geschichte.
Souleymanes Geschichte führt uns mitten in das Leben eines jungen Mannes, der aus Guinea nach Frankreich flieht, um sich dort einen Platz im Leben zu erkämpfen – nicht als Opfer, sondern als Mensch, der handelt, fühlt, zweifelt und hofft. Dieser Film erzählt von der Unsichtbarkeit jener Menschen, deren Existenz auf Duldung, Papieren und auf Entscheidungen anderer basiert.
Gerade heute, in einer Zeit, in der Migrationspolitik oft lauter ist als Menschlichkeit, erinnert uns dieser Film daran, was die Existenz eines Jeden wirklich ausmacht: das Recht, gesehen zu werden, gehört zu werden und leben zu dürfen – mit Würde.
Boris Lojkine schafft es, diese Realität nicht zu erklären, sondern spürbar zu machen. Und genau das macht Souleymanes Geschichte so wichtig und so tief menschlich. Er erinnert uns daran, dass Menschlichkeit kein Privileg ist, sondern ein Recht.
Etwas das den Film besonders herausstechen ließ war die Vielfalt an Menschenrechten, die veranschaulicht bzw. verletzt wurden. Souleymanes Geschichte gibt uns einen Einblick wie es ist obdachlos zu sein, wie es sich wohl anfühlen mag diskriminiert zu werden. Der Film zeigt uns, dass Rassismus und Ausbeutung für viele Menschen alltäglich sind. Auch Souleymanes Asylverfahren macht darauf aufmerksam, dass es kein einfacher und angenehmer Vorgang ist, man nicht auf einem anderen Fleck der Erde leben kann, ohne zu vermissen was einem wichtig ist und dennoch die Angst davor wieder dorthin zurückzukehren, wo man sich vor dem Tod fürchten muss, immer präsent ist. Diese erschreckenden Tatsachen wurden uns immer wieder eindrücklich vor Augen geführt. Zum Beispiel (in den Szenen), wenn Souleymann direkt nach dem Aufwachen telefonieren muss, um ein Bett für die Nacht zu bekommen, wenn deutlich wird, dass illegales arbeiten die einzige Möglichkeit für ihn ist, um sich über Wasser halten zu können, weil er keine Aufenthaltserlaubnis hat, wenn er sich von seiner Familie und seiner Partnerin trennen muss, weil er nicht mehr an ihrem Leben teilhaben kann.
Wenn wir an den Film denken, denken wir nicht einfach an einen Film, der auf wichtige Themen aufmerksam macht, sondern einen der uns mitnimmt – mitten hinein ins Geschehen. Schon die Musik war ein Erlebnis für sich: authentisch, realitätsnah und mit einer packenden Dynamik, die jede Szene getragen hat. Man spürte, dass sie nicht bloß Hintergrund war, sondern ein Motor/ eine treibende Kraft der /die das Geschehen noch greifbarer gemacht hat.
Die Kameraführung hat genau das unterstrichen. Sie hat uns als Zuschauer nicht außen vorgelassen, sondern in jeder einzelnen Szene mit einbezogen, so, dass man das Gefühl hatte, immer einen exklusiven Blick auf die Mimik und Gestik des Hauptdarstellers zu haben. Man war nicht nur Beobachter, irgendwie war man Teil der Geschichte. Und das, fanden wir, ist eine große Kunst.
Der Spannungsbogen blieb über den gesamten Film hinweg präsent. Es gab kaum einen Moment, in dem die Intensität wirklich nachließ. Und wenn sie es tat – etwa in den Szenen in der Obdachlosenunterkunft – dann waren es genau diese kleinen Verschnaufpausen, die verhindert haben, dass der Film stressig und atemlos wirkt. Eine Geschichte, die berührt, weil sie so echt ist. Und keinen Einzelfall darstellt.
Über den Hauptdarsteller selbst kann ich nur sagen: Er hat diese Rolle – diesen unglaublich starken und zugleich verletzlichen Protagonisten – mit einer Tiefe gespielt, die einen wirklich bewegt. Man konnte seine Stärke fühlen, aber auch seine Angst, seine Zerbrechlichkeit, Die er mit einer neutralen Mimik versuchte zu übertünchen. Allgemein gesagt ist es ein sehr interessanter und mitreißender Film, der durch die Geschichte von Souleyman einen von vielen Fällen zeigt und dem Thema Menschenrechte im Bereich Migration Aufmerksamkeit schenkt. Er ist außerdem durch die dauerhafte Spannung und realitätsnahe Filmsprache perfekt zur Menschenrechtsbildung an Schulen geeignet.
Dieser Film is für uns preiswürdig.
Wir verleihen den Open Eyes Jugendjury Preis 2025 für die Menschenrechtsbildung an Schulen an den Film Souleymanes Geschichte in der Regie von Boris Lojkine – Herzlichen Glückwunsch!
Die Open Eyes-Jugendjury 2025: Ela Firat, Luisa Wehr, Matilda Previderio, Alina Friedrich aus dem Labenwolf Gymnasium Nürnberg
#Migration #Ausbeutung #Asylverfahren
Begleitmaterial / Links / Kontakte
PRODUKTION: Unité
WELTVERTRIEB: Sébastien Fouque, Pyramide International
DEUTSCHER VERLEIH: Jürgen Lütz, Film Kino Text
Regie

Boris Lojkine
Biografie
Boris Lojkine ist ein französischer Regisseur und Drehbuchautor. Er studierte Philosophie an der École Normale Supérieure, schloss mit einer agrégation ab und promovierte über „Krise und Geschichte“. Nach seiner akademischen Laufbahn lebte er in Vietnam und realisierte dort die Dokumentarfilme CEUX QUI RESENT und LES ÂMES ERRANTES. Mit seinem Spielfilmdebüt HOPE wandte er sich dem Thema Migration in Afrika zu; der Film wurde in der Semaine de la Critique in Cannes gezeigt und erhielt zahlreiche internationale Auszeichnungen. Sein zweiter Spielfilm CAMILLE gewann u. a. den Publikumspreis in Locarno. SOULEYMANES GESCHICHTE, präsentiert in der Reihe Un Certain Regard in Cannes, ist sein dritter Spielfilm.
Filmografie
Ceux qui restent (2001), Les âmes errantes (2005), Hope (2014), Camille (2019), Souleymanes Geschichte (2024)






