Weekender

15. – 18.10.2026

Fortbildungen für Lehrkräfte

Im festivalfreien Jahr bietet Open Eyes eine eintägige filmwissenschaftliche Fortbildung für Lehrkräfte an, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Filmkompetenz von Lehrenden zu stärken, damit die Diskussionen, die im Rahmen des Projekts angestoßen werden, auch im Klassenzimmer mit entsprechendem Fachwissen fortgeführt werden können. Themen in der Vergangenheit waren u.a. „Filmdramaturgie kompakt,“ „Der Dokumentarfilm zwischen Inszenierung und Wirklichkeit“, „Filmisches Erzählen“, „Der Holocaust im Spiel- und Dokumentarfilm“ und „Zwischen Ermächtigung und Ausbeutung: Der Dokumentarfilm und seine Protagonist*innen“.

Die Open Eyes-Fortbildungen sind staatlich anerkannt und stehen Lehrkräften aus ganz Bayern offen, die im Unterricht mit Film arbeiten wollen.

Nächste Fortbildung:

Von Friends bis Schwarze Früchte: Filme und Serien diskriminierungskritisch vermitteln

Staatlich anerkannte Fortbildung für Lehrkräfte

am 15. Oktober 2026 von 10:00 – 13:00 Uhr im Filmhaus Nürnberg

Seminarleitung: Canan Turan

Anmeldung über FIBS (https://fibs.alp.dillingen.de)

Jugendliche konsumieren Filme und Serien heute vor allem über Streamingplattformen und Mediatheken. Dabei begegnen ihnen sowohl stereotype, diskriminierende und ausgrenzende Darstellungen als auch Produktionen, die alternative, emanzipatorische Perspektiven eröffnen. Der Workshop gibt eine Einführung in die diskriminierungskritische Film- und Serienvermittlung: Teilnehmende lernen, problematische Bilder und Narrative zu erkennen und zu hinterfragen und betrachten dazu exemplarisch serielle Formate wie Uncivilized, Schwarze Früchte und Friends. Eigene Sehgewohnheiten werden reflektiert und es werden konkrete Methoden vorgestellt, um Jugendliche zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Gesehenen anzuleiten. Dabei arbeiten die Teilnehmenden sowohl in Einzel- als auch in Gruppenübungen mit Filmausschnitten, die der Selbstreflexion und Analyse dienen, und haben zugleich Raum für Austausch und gemeinsame Diskussion.

Canan Turan ist Filmwissenschaftlerin, Dramaturgin, Kuratorin und Moderatorin. In ihrer Arbeit untersucht sie, wie Film dominante Narrative und Bildwelten reproduzieren oder herausfordern sowie emanzipatorische Perspektiven auf Geschichte(n), Gesellschaft und Identität(en) eröffnen kann. Diesen Fragen widmet sie sich in Texten, ihrem Podcast film.macht.kritisch. sowie Fortbildungen und Vorträgen. Sie realisierte den Kurzfilm Kıymet (2012) und ist Creative Producerin des Dokumentarfilms From Here (2020). Seit 2023 ist Canan Mitglied des Auswahlkomitees von Berlinale Generation. Aktuell entwickelt sie FILM/POWER!, eine Akademie und Community für diskriminierungs- und machtkritische Filmkompetenz. www.cananturan.de

Fortbildungsarchiv

Zwischen Ermächtigung und Ausbeutung: Der Dokumentarfilm und seine Protagonist*innen

Staatlich anerkannte Fortbildung für Lehrkräfte mit Filmsichtung

am Freitag, den 18.10. 2024 von 10 – 16 Uhr, mit einstündiger Mittagspause

Seminarleitung: Andrea Kuhn (Festivalleiterin NIHRFF)

Filmsichtung SUBJECT, zu Gast: Margie Ratliff (Protagonistin und Produzentin)

Dokumentarfilme, die menschenrechtliche und politische Themen behandeln, boomen und gerade Filme über dramatische Einzelschicksale erreichen im Zeitalter der Streamingdienste oft ein Millionenpublikum.

Solche Filme können eine Möglichkeit für die Menschen vor der Kamera sein, ihre Geschichten mit einer breiten einer breiten Öffentlichkeit zu teilen. Sie können ihre politischen Anliegen vorbringen und, vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben, Selbstermächtigung erfahren, indem sie selbst als aktive Gestalter*innen ihres eigenen Lebens wahrgenommen werden und maßgebliche (politische und soziale) Veränderungen anstoßen können.

Eines der gängigsten Mittel, um das nötige Zuschauer*inneninteresse hoch zu halten, ist eine starke Emotionalisierung, die über die Identifikation mit den zentralen Protagonist*innen eines Filmes funktioniert. Doch dabei stellen sich ethische Grundsatzfragen nach der Verantwortung der Filmemacher*innen: Überwiegt der Drang, möglichst publikumswirksam Geschichten zu erzählen oder die Rücksicht auf die Protagonist*innen und die Folgen, die ihre Darstellung vor einem Millionenpublikum haben kann?

Denn die Auswirkungen von gefeierten Dokumentarfilmen auf die Menschen, die vor der Kamera zu sehen sind, können sehr komplex sein. Welche Wunden kann es reißen, wenn Menschen bei jeder Veröffentlichung eines Films wieder mit ihren alten Traumata konfrontiert werden? Und wie kann die Sicherheit von Protagonist*innen garantiert werden, die sich gegen die politischen Verhältnisse in ihrer Heimat wenden?

Und wie kann man mit solchen Filmen im Unterricht umgehen? Was, wenn Thema  und ‚Botschaft‘ genau passt, aber die Behandlung der Menschen vor der Kamera bei genauer Betrachtung bedenklich ist? Anhand dieser medienethischen Fragestellung soll die Medienkompetenz gestärkt werden.

Auch der Dokumentarfilm SUBJECT (USA 2022, 93 Min., englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln, Regie: Jennifer Tiexiera, Camilla Hall) stellt sich genau diese grundsätzlichen Fragen anhand einiger erfolgreicher Dokumentarfilmproduktionen. Im Zentrum stehen dabei die Menschen vor der Kamera, die über ihr Leben nach und mit ‚ihren‘ Filmen berichten.

Margie Ratliff

Gemeinsam wollen wir diesen Film im Rahmen der Fortbildung ansehen und mit der Produzentin und zentralen Protagonistin des Films, Margie Ratliff, diskutieren. Als Teenagerin stand sie vor der Kamera der Dokumentar-Serie THE STAIRCASE und gründete nach ihren eigenen traumatischen Erfahrungen die Documentary Participants’ Empowerment Alliance – eine Organisation, mit der sie zukünftig für größere Achtsamkeit im Umgang mit Menschen vor der Kamera und eine bessere Unterstützung dieser Menschen während und nach dem Dreh kämpft.