Angelo

Angelo

REGIE: Markus Schleinzer   LAND: Österreich   JAHR: 2018   SPRACHE(N): Deutsch, Französisch   UNTERTITEL: Deutsch, Englisch   LÄNGE: 110 min  

VORSTELLUNGEN
Donnerstag, 03.10., 18.45 Uhr, kommkino,
Samstag, 05.10., 13.45 Uhr, kinoeins

SEKTION: Internationaler Wettbewerb

Als kleiner Junge aus Afrika nach Europa verschleppt, als exotisches Kleinod mit höfischer Erziehung versehen, macht Angelo seinen Weg in der Wiener Gesellschaft, die ihn nach Belieben wahrnimmt, ohne ihn je dazugehören zu lassen. ANGELO erzählt Kolonialgeschichte, körperliche und geistige Vereinnahmung. Ein Film über Deutungshoheiten und die Chronologie eines Verstummens.

Angelo Soliman (1721 – 1796), rätselhafte Figur der Wiener Stadtgeschichte, einst als Kindersklave gekauft, später Kammerdiener, als exotischer Besitz herumgereicht, Freimaurer, nach seinem Tod präpariertes Ausstellungsobjekt – und ein Teil europäischer Geschichte. Markus Schleinzer nähert sich ihm und der Wiener Gesellschaft des 18. Jahrhunderts in sorgfältig kadrierten Tableaus, die dem Publikum Angelos Einsamkeit und die Enge der Gesellschaft vor Augen führen. Dabei verlässt er immer wieder den Rahmen eines klassischen Biopics und diskutiert Fragen der Identität, der Zuschreibung – und des Erbes des Kolonialismus.

„Wie ist es, wenn man mit fünf, sechs Jahren seiner Heimat beraubt wird? Was bedeutet es, für ganz lange Zeit niemandem zu begegnen, der dir gleich ist? Wann hat Angelo wohl aufgehört, sich selbst in seiner Andersartigkeit zu vergessen? Wann wünscht man sich, sich im Gegenüber aufzulösen? Wenn man der ersten Biografin Glauben schenken darf, die sich 60 Jahre nach seinem Tod über dessen Lebensgeschichte gewagt hat, war Angelo im Grunde Schauspieler, dann hat er selbst sehr viel zu den Märchen, die sich um ihn ranken, beigetragen.“ (Markus Schleinzer)

MARKUS SCHLEINZER

Markus Schleinzer wurde 1971 in Wien geboren. Als Casting-Direktor wirkte er von 1994 bis 2010 an über 70 Kinoproduktionen mit und war u.a. bei mehreren Filmen von Jessica Hausner, Ulrich Seidl und Michael Haneke eng an der Produktion beteiligt. Zwischendurch war er immer wieder selbst in Film, Fernsehen und Theater als Schauspieler tätig. Besonders seine Darstellungen in Der Räuber (2010) von Benjamin Heisenberg und Einer von uns (2015) von Stephan Richter brachten ihm viel Kritikerlob ein. Als er 2008 am Cast für Hanekes Das weisse Band arbeitete, wurde er als Schauspiel-Coach für die Kinderdarsteller eingesetzt. Schließlich bereitete er die Darsteller nicht nur auf die Szenen vor, sondern arbeitete auch am Set mit ihnen. Aus dieser Erfahrung heraus beschloss er, selbst Filmemacher zu werden. Sein provokantes Spielfilmdebüt als Autor und Regisseur, Michael, hatte seine Premiere im Wettbewerb der Filmfestspiele in Cannes 2011. Der Film wurde in zahlreiche Territorien verkauft und weltweit mehrfach ausgezeichnet.

FILMOGRAFIE

Michael (2011), Angelo (2018)

DREHBUCH: Markus Schleinzer, Alexander Brom   PRODUZENT_IN: Alexander Glehr, Franz Novotny   KAMERA: Gerald Kerkletz   SCHNITT: Pia Dumont   MUSIK:    MIT: Makita Samba, Alba Rohrwacher, Larisa Faber, Gerti Drassl, Michael Rotschopf

WEBSITE
http://www.grandfilm.de/angelo

PRODUKTION: Film AG   WELTVERTRIEB: Joris Boyer, Playtime   DEUTSCHER VERLEIH: Patrick Horn, Grandfilm